Geschichten
Über litauische Mythen und Legenden
Die litauische Mythologie zählt zu den archaischsten Europas: In der baltischen Weltanschauung lebten Perkūnas, Žemyna, Laima und zahlreiche weitere Gottheiten und mythische Wesen. Über die Jahrhunderte bildeten sich daneben örtliche Sagen heraus, die den Ursprung von Burgbergen, Seen, Steinen und Städten erklären, und die Erzählungen über Riesen, Burgen und Wunderwesen wurden von Mund zu Mund weitergegeben. Diese litauischen Mythen und Legenden sind bis heute ein wichtiger Teil der Volksüberlieferung, der das historische Gedächtnis mit der Fantasie verbindet.
Basilisk von Vilnius
In der bekanntesten Fassung der Legende lebte in einer Höhle des alten Vilnius ein Basilisk – ein Ungeheuer mit dem Kopf eines Hahns, den Augen eines Frosches und dem Schwanz einer Schlange, das mit einem einzigen Blick tötete. Ein Wagemutiger besiegte es nicht mit Kraft, sondern mit List: Er brachte einen Spiegel in die Höhle, und der Basilisk starb durch seinen eigenen tödlichen Blick, als er sein eigenes Spiegelbild erblickte. Die Erzählung wird traditionell mit dem Hügel der Bokšto-Straße und der alten Bastei von Vilnius in Verbindung gebracht.
Riesen von Kupiškis
Die Sage aus der Region Kupiškis erzählt von zwei Riesen: Der eine lebte auf der Seite von Paketuriai, der andere auf der Seite von Aukštupėnai, und zwischen ihnen wand sich der Fluss Lėvuo. Anders als andere litauische Riesen waren die beiden freundlich gesinnt – sie rauchten lange Pfeifen und plauderten über das Tal hinweg. Die ausgeklopfte Pfeifenasche türmte sich über die Jahrhunderte zu einem Hügel auf, der heute Burgberg von Kupiškis genannt wird.
Schloss Biržai
Das Schloss Biržai ließ Ende des 16. Jahrhunderts der litauische Großhetman Kristupas Radvila Perkūnas errichten, doch eine südöstliche Ecke stürzte immer wieder ein, wie verhext. Die Legende berichtet, ein Einsiedler, der den alten Perkūnas noch verehrte, habe geraten, ein Brautpaar einzumauern, das bei Vollmond von der Kirche heimkehrte; von da an stürzte diese Ecke, die zum Symbol der Liebe und Treue wurde, nicht mehr ein. Mit dem Schloss ist auch die Širvėna-Legende von einem Mädchen verbunden, das den Tod der Ehe mit einem ungeliebten Reichen vorzog.